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Hessen Nassauer & Corona – Eindrücke weltweit

Hessen Nassauer & Corona – Eindrücke Weltweit

Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Weltweit sind die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren, sowohl im Gesellschaftsleben als auch in der Wirtschaft. Da viele unserer Corpsbrüder rund um den Globus verteilt bzw. unterwegs sind, haben wir hier einige Eindrücke und Stimmen zusammengestellt, wie die Corpsbrüder die Pandemie international vor Ort erleben und mit den Herausforderungen umgehen:

Corpsbruder Strieder
aus Peking / China

Ich bin seit ein paar Tagen wieder zurück auf Posten in Peking. Es gibt nur noch chinesische Airlines, die Flughäfen in China anfliegen, die A350 von China Southern nur mit ca. 30 Passagieren. In der 24-Mio.-Metropole Peking gibt es so gut wie keinen Straßenverkehr und kaum Menschen zu sehen. Alle haben sich, freiwillig-erzwungen, in ihren Hochhauswohnungen in Isolation begeben. So gut wie kein Geschäft ist geöffnet, allerdings gibt es Lebensmittel (und Benzin). Überall haben wir strenge und unnachgiebige Fieberchecks; wer durchfällt, droht sofort in Quarantäne genommen zu werden. Was das in Peking heißt, brauche ich nicht zu sagen. Dann spätestens steckt man sich tatsächlich an.

Die Wirtschaft geht rapide runter, die Zahlen sind dramatisch, und zwar auch für unsere deutschen Produzenten. Niemand kann wollen, dass es China wirtschaftlich und sozial schlecht geht. Was vor Jahren galt, gilt heute nicht mehr: Wenn in Peking ein Sack Reis umfällt, betrifft das mittlerweile die globale Weltwirtschaft.

Corpsbruder Herzberger
aus Atlanta / USA

Hier steuert die Corona-Krise einem weiteren Höhepunkt entgegen. Die Trump Administration ist völlig überfordert, das reichste Land der Welt bekommt nun Hilfslieferungen aus China. Einem Land, mit dem man sich bis vor kurzem einen heftigen Handelskrieg geliefert hat. Unser Rückflug ist weiter für den 7.04. geplant, danach werden wir uns in häusliche Quarantäne begeben.

Corpsbruder Soar
aus Palmer / USA

Ich bin noch in Palmer, Massachusetts, und arbeite im nebenan liegenden Ort Belchertown als Internist, derzeit von meiner Wohnung aus. Ich werde wahrscheinlich in 2 Wochen als Assistenzarzt in das Krankenhaus unserer Dachorganisation in Northampton einberufen. Das Krankenhaus hat bloß 160 Betten, baute diese teilweise in Intensivbetten um. Noch steht nicht fest, ob ich mithelfen muss. Es hängt vom Ablauf des Virus ab. Wir leben nicht dicht aneinander, so dass sich das Virus nicht so schleunig ausbreiten konnte. Das könnte sich in zweierlei Hinsicht positiv auswirken: Indem wir weniger Schwerkranke behandeln müssen und schneller die örtliche Wirtschaft wieder ankurbeln können. Die Weltwirtschaft wird das nicht länger vertragen können. Ich besitze keine chirurgischen Masken, da die verständlicherweise knapp im Angebot sind. Wenn ich in die Praxis gehe, muss ich mit meinem Handy meine Gesundheit attestieren, dann darf ich ins Gebäude herein. Dann muss ich die Maske tragen, welche an der Tür an mich ausgegeben wird. Patienten aus unserer Praxis mit Fieber werden an eine provisorische Klinik weitergeleitet, so dass das Gebäude gegen Virus sicher bleibt.

Hier in Massachusetts herrscht generell Notzustand. Das bedeutet, dass lediglich Supermärkte, Apotheken, Tankstellen geöffnet haben. Schulen, Universitäten, Restaurants u.v.m. sind geschlossen. Die Abbott Lab Company entwickelt gerade ein Messgerät, das bloß 15 Minuten Verarbeitungszeit für das Ergebnis benötigt. Mit genügend Zuverlässigkeit könnte das den Teufelskreis der Volksquarantäne verbessern. So könnten wir die Großstädte wieder von diesem erstickenden Stillstand retten. Wenn noch Medikamente, wie z.B. Oseltamivir für Grippe weiterentwickelt werden, können wir möglicherweise den Krankheitsverlauf von Corona aufhalten, bis der Körper Antikörper aufbaut. Man kann sich nicht zuhause bis zum Fertigstellen eines Impfstoffes hinhocken und warten. Ich sehe, Euch geht es viel besser als in Italien und England. Ich hoffe, es bleibt auch so. Die Deutschen sind vernünftig. Es half auch, nicht so viele wirtschaftliche Verbindungen zu haben, wie Italien mit den Chinesen in Milan. Ich las, dass die Italiener viele Gastarbeiter aus China in Textilfabriken angestellt hatten. Da waren tausende Italiener angesteckt worden, ehe es ihnen bewusst wurde.

Corpsbruder Wulf II
aus Wien / Österreich

Meinen Fiakern hier geht es schlecht. Wir dürfen keine Gäste fahren, somit seit Mitte März Umsatz 0. Mit dem „kostenfrei Essen ausliefern“ ist nur ein wenig positive Stimmung zu machen, gemeinsam mit dem Hotel Interconti. Sieht für uns gar nicht gut aus. Auf dem Zentralfriedhof habe ich jede Woche immerhin einige bestellte Rundfahrten. Aber die Stadt ist eine Katastrophe. Mache zurzeit zwischen 5 und 10% des “normalen” Umsatzes.

Corpsbruder Pröpping
aus Luxemburg

Ich befinde mich mittlerweile in der dritten Woche, in der ich von Zuhause im Homeoffice arbeite. Alle 300 Mitarbeiter meiner Bank in Luxemburg arbeiten von Zuhause. Und das klappt wider Erwarten meist recht gut. Telefonate und internationale Konferenzschaltungen, von denen ich am Tag mehrere habe, sind leider nicht immer störungsfrei, aber es klappt doch den Umständen entsprechend, so dass es wenige Einbußen für den Service zu Kunden gibt. Bisher bin ich ganz froh, dass ich zurzeit die 3 Stunden Pendelei pro Tag nach und von Luxemburg mal nicht habe.

Aber gefühlt verbringt man noch mehr Zeit hinterm Computer, weil die Arbeit jetzt Zuhause ist. Als Bank können wir allerdings auch sehen, wie sprunghaft nun die Kreditanfragen der Geschäftskunden ansteigen. Die wirtschaftlichen Folgen des “Lockdown” werden uns sicher noch in mehreren Jahren beschäftigen. Meine Kinder sind auch seit 3 Wochen zu Hause und die Lehrer haben den Unterrichtsauftrag an die Eltern weitergegeben.

Corpsbruder Comberg
über Kapstadt / Südafrika

Unsere Älteste war seit Januar in Kapstadt, um ein halbes Auslandsschuljahr bis zu den Sommerferien dort zu verbringen. Das musste leider abgebrochen werden – südafrikanische Schulen wurden geschlossen und Hausarrest (militärisch überwacht !). Wesentlich gefährlicher war dort vor Ort nicht die deutlich schlechtere Versorgungslage im Gesundheitswesen im Falle einer Infektion, sondern die aufkeimenden Rassenunruhen.

In den Townships herrscht eine Durchseuchung von ca. 60% HIV und 80% Tuberkulose. Wenn zu diesen eh schon bedrohlichen Grundrisiken dann noch eine Infektion mit Covid-19 hinzukommt, wird der Anteil der bedrohlich Kranken und auch Toten an der Gesamtbevölkerung im Wesentlichen bei den Schwarzen aus den Townships zu finden sein.

Corpsbruder Nausch IV
aus Santo Domingo / Dom. Republik

Nach rund 2-monatigem völligen “Shut-Down” in der Dominikanischen Republik fängt es langsam wieder an. Seit einer Woche arbeiten die Baufirmen wieder. Die nächtliche Ausgangssperre von 19:00 bis 05:00 Uhr läuft hoffentlich diese Woche aus. Der öffentliche Transport ist wieder zu 30% zugelassen. Allerdings sind noch alle Hotels und Restaurants geschlossen. Die Touristen-Hotels werden das auf absehbare Zeit auch bleiben. Das betrifft rund 250.000 Menschen hier, die jetzt alle arbeitslos sind.

Dazu kommen natürlich auch die Busfahrer, Andenkenladenbesitzer, Tauchschulen und nicht zu vergessen die Taschendiebe, die jetzt alle erst einmal kein Einkommen haben. Tourismus ist die drittgrößte Einnahmequelle der Dominikanischen Republik und ist zu 100% weg. Ludwig hat mit den Abnehmern seiner Zigarren im Ausland ein paar Transportschwierigkeiten, da die Fluglinien ihr Angebot massiv eingeschränkt haben. Asonsten alles normal. Die Bäckerei läuft ganz gut, wir haben seit 3 Monaten Lieferungen in Santo Domingo angeboten und das Angebot wird gut genutzt.

Corpsbruder Velte
über die Region Asien-Pazifik

Beruflich gesehen trifft mich der nahezu komplett kollabierte Flugverkehr sicherlich am meisten. Ich arbeite im Lizenzmanagement als Leiter der Region Asien-Pazifik. Mit dieser Aufgabe ist eine starke Reisetätigkeit verbunden. In einem gewöhnlichen Geschäftsjahr bin ich etwa 8 – 10 Mal weltweit unterwegs. Alle meine gebuchten Flüge wurden annulliert und bis auf weiteres ist auch keine Reiseplanung möglich. Das Lizenzmanagement kümmert sich, wie der Name es schon vermuten lässt, um Lizenznehmer und Tochterfirmen . Wir haben für fast alle unsere Produkte Patente. Hier läuft sehr viel über persönliche Bindung und, insbesondere in Japan, über Vertrauen.

Wir versuchen so gut es geht, den persönlichen Kontakt über diverse Online-Plattformen wie Skype, Teams, etc. zu halten. Andere Anliegen müssen eben warten, bis sich die Lage wieder normalisiert hat. Während die Bauindustrie noch vergleichsweise stark läuft, haben wir im März und April nie dagewesene Einbrüche im Automobilbereich zu verkraften. In vielen Bereichen, in denen es möglich ist, wurde mit Kurzarbeit begonnen. Leitende Angestellte verzichten auf einen gewissen Anteil ihres Gehalts. Den Kollegen in den unteren Gehaltsstufen stockt die Firma das Kurzarbeitergeld auf. Es trägt jeder einen Teil dazu bei, dass es nach der Krise wieder mit voller Besatzung weitergeht. Das ist sehr fair und wird von allen Mitarbeitern getragen.

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