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Woeste jetzt Botschafter in El Salvador

Interview von Corpsbruder Peter Woeste mit dem Online-Magazin www.come-on.de anlässlich seiner neuen Aufgabe als deutscher Botschafter in El Salvador

Ein Diplomat aus dem Märkischen Kreis hat jetzt seinen Dienst als deutscher Botschafter in einem der gefährlichsten Länder der Welt angetreten. Zuvor war er schon Botschafter in Malawi (2011 bis 2016) und Ruanda (2016 bis 2019). Auf seinem dritten Botschafterposten betritt er sprachlich wie geografisch Neuland. Und er weiß, dass er vorsichtig sein muss. Der Werdohler Dr. Peter Woeste ist von Bundespräsident Steinmeier zum neuen deutschen Botschafter in El Salvador berufen worden. Woeste hat seinen Dienst in Zentral-amerika bereits im Oktober angetreten, das vom Bundespräsidenten unterzeichnete Beglaubigungsschreiben hat er El Salvadors Präsident Nayib Bukele allerdings erst in der vergangenen Woche übergeben können.

Das Interview

Come-on.de:
Herr Dr. Woeste, wie haben Sie Ihre Berufung zum Botschafter von El Salvador aufgenommen?

Woeste:
Auch bei meinem dritten Botschafterposten bleibt die Auswahl durch den Außenminister und die Ernennung durch den Bundespräsidenten eine große Anerkennung des beruflichen Einsatzes. El Salvador ist eine neue Herausforderung, da ich erstmals auf den lateinameri-kanischen Kontinent versetzt wurde.

Come-on.de:
Sprechen Sie eigentlich Spanisch?

Woeste:
Zum Glück hatte ich auf dem Gymnasium in Altena in der Oberstufe Spanisch. Das ist alles sehr verschüttet und so sitze ich drei Mal die Woche mit einer Spanischlehrerin zusammen.

Come-on.de:
Mit welchen Erwartungen sind Sie nach El Salvador gekommen?

Woeste:
Nette Menschen, tolle Landschaft mit 23 Vulkanen und Pazifikstränden, ein Land im Übergang.

Come-on.de:
Und was sagen Sie nach den ersten Wochen in diesem Land?

Woeste:
Trifft alles zu. Coronabedingt ist es allerdings schwieriger durchzustarten als jemals zuvor auf meinen anderen Posten.

Come-on.de:
El Salvador gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt …

Woeste:
… deshalb muss man sich umsichtig bewegen. Kriminalität gab es auch in Kapstadt, und den Berliner Ostbahnhof muss man auch nicht in den frühen Morgenstunden aufsuchen. Die Armen leiden am meisten unter der Kriminalität in ihren Vierteln, unter dem Druck der Gangs. Diplomaten sind bislang selten ins Fadenkreuz gelangt.

Come-on.de:
Sie waren ja schon Botschafter in Ruanda und Malawi, zwei afrikanischen Staaten, und kennen auch die Mongolei sehr gut. Können Sie von den dort gesammelten Erfahrungen in El Salvador profitieren?

Woeste:
Berufliche Erkenntnisse, ein wenig Lebenserfahrung, weiß sicher jeder zu schätzen. Ruanda kam aus der Geschichte des Genozids, El Salvador aus den Grausamkeiten des Bürgerkriegs. Malawi hatte ein besonders niedriges Bruttosozialprodukt. Es ist schwierig, unter diesen Bedingungen internationale Investitionen anzuziehen. Und deutsche Unternehmen sind besonders risikoscheu. Jedes Land ist anders, doch einzelne Elemente wiederholen sich. El Salvador besitzt allerdings mit einer großen deutschen Schule und einer deutschen Außenhandelskammer deutliche Vorteile, die sich nutzen ließen.

Come-on.de:
Welche Aufgaben haben Sie überhaupt als deutscher Botschafter in El Salvador? Gibt es so etwas wie eine strategische Linie?

Woeste:
Vor Ort arbeiten wir eng im europäischen Verbund zusammen. Uns allen ist die Stärkung des Multilateralismus wichtig. Wir schätzen es, dass uns El Salvador oft bei Anliegen in den Vereinten Nationen unterstützt und uns seine Stimme gibt. Lateinamerika hat unter Außen-minister Maas einen höheren Stellenwert bekommen. Wir sehen hier viele gemeinsame Werte. In Zentralamerika ist uns besonders die regionale Kooperation wichtig.

Antrittsbesuch Im Präsidentenpalast Hat Dr. Peter Woeste (links) Staatschef Nayib Bukele
Antrittsbesuch Im Präsidentenpalast Hat Dr. Peter Woeste (links) Staatschef Nayib Bukele
Antrittsbesuch im Präsidentenpalast hat Dr. Peter Woeste (links) Staatschef Nayib Bukele
Woeste Ist Jetzt Botschafter Der Bundesrepublik Deutschland In El Salvador
Woeste ist jetzt Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in El Salvador
Empfang In San Salvador Durch Die Ehrengarde Des Präsidenten
Empfang in San Salvador durch die Ehrengarde des Präsidenten
Woeste Und Frau Regina Am Pazifikstrand
Woeste und Frau Regina am Pazifikstrand
Antrittsbesuch Im Präsidentenpalast Hat Dr. Peter Woeste (links) Staatschef Nayib BukeleWoeste Ist Jetzt Botschafter Der Bundesrepublik Deutschland In El SalvadorEmpfang In San Salvador Durch Die Ehrengarde Des PräsidentenWoeste Und Frau Regina Am Pazifikstrand

Come-on.de:
Die britische Zeitung The Economist bezeichnete El Salvador in einem „Demokratieindex“ 2019 als „unvollständige Demokratie“, andere politische Beobachter sprechen davon, dass Korruption das einwandfreie Funktionieren der demokratischen Institutionen behindere und Bürgerrechte einschränke. Spielt so etwas für Ihre Arbeit eine Rolle?

Woeste:
Die Welt in Rankings einzuteilen ist eine besondere britische Leidenschaft. Ich bin da zurück-haltender. Kein Beobachter wird bestreiten, dass die Lage im Land nicht perfekt ist. Doch es ist bemerkenswert, was in El Salvador nach dem Bürgerkrieg aufgebaut wurde. Das Land hat jetzt einen jungen Präsidenten, Bukele. Er ist erst 38 Jahre alt hat die Kriminalitäts- und Korruptionsbekämpfung ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Erste Erfolge sind erkennbar. Über die hiesige Regionalorganisation unterstützen wir das Land mit Mitteln und Knowhow.

Come-on.de:
Welche Beziehungen hat Deutschland überhaupt zu El Salvador? In Ihrer Heimat weiß man außer, dass aus El Salvador Kaffee kommt, eigentlich eher wenig über dieses Land …

Woeste:
Und der Kaffee ist wirklich gut! Hier gibt es deutsche Einwandererfamilien, die seit über 150 Jahren im Land wirtschaftlich tätig sind und ihre Bindung nach Deutschland und Europa nie aufgegeben haben. El Salvador setzt in der Region heute eher auf den Dienstleistungssektor. Viele landwirtschaftliche Produkte kommen von den benachbarten Flächenstaaten Nicaragua und Guatemala. Deutschland hat erst kürzlich ein Ausbildungsprogramm für Altenpflegekräfte aufgelegt. Erste Gruppen sind gerade in der Ausbildung in Deutschland und werden später bei uns auch arbeiten dürfen – und hoffentlich bleiben.

Come-on.de:
Was die wirtschaftlichen Beziehungen angeht, haben Sie ja schon einen Antrittsbesuch bei der Deutsch-Salvadorianischen Außenhandelskammer gemacht. Welche Funktion hat diese Einrichtung?

Woeste:
Die Kammer vertritt die Interessen der deutschen Kaufmannschaft und ist auch erste Anlauf-stelle für potenzielle Investoren. Wichtig ist auch hier wieder die regionale Kooperation der Kammern in Zentralamerika.

Come-on.de:
Kommen Ihnen Ihre Erfahrungen aus der Wirtschaftsabteilung der Ständigen Vertretung bei der Uno in New York jetzt in El Salvador zugute?

Woeste:
Die Uno ist der Treffpunkt der Spitzendiplomatie. Und jeder hat eine Stimme. Das Bewusst-sein der Begegnung auf gleicher Augenhöhe wird nirgendwo sonst so geschärft. Schon in den wenigen Wochen meiner Tätigkeit in San Salvador hat mein Gastland zum Beispiel die Spitzenkandidatur eines deutschen Richters zum Internationalen Gerichtshof unterstützt. Das funktioniert nur, wenn man sich vertraut.

Come-on.de:
Wenn man als Deutscher derzeit ins Ausland reist, macht man sich natürlich Gedanken über die Corona-Situation vor Ort. Wie sieht es diesbezüglich in El Salvador aus?

Woeste:
El Salvador hat einen harten Lockdown von März bis August durchlaufen. Mit Ausgangs-sperren, geschlossenen Landesgrenzen, und die Schulen sind bis heute geschlossen oder arbeiten – wie die Deutsche Schule – nur online. Zurzeit scheint die Pandemie eingedämmt zu sein. Die zweite Welle wird auch hier gefürchtet, gerade über den Jahreswechsel mit der Heimkehr vieler „Gastarbeiter“ aus den USA. Eine erste Charge eines Impfstoffs hat das Land gesichert – auch hier ist uns die multilaterale Kooperation wichtig. Jeder muss Zugang haben.

Come-on.de:
Weihnachten steht vor der Tür. Wissen Sie schon, wie und wo Sie das Fest verbringen werden?

Woeste:
Unser Umzug ist noch nicht eingetroffen. Also gibt es dieses Jahr auch keinen weihnacht-lichen Schmuck. Unsere Kinder können wegen der coronabedingten Reisebeschränkungen leider nicht kommen. Und statt Weihnachtsgans wird es Seafood geben. Und den ewigen Sommer werden wir im Garten und am Pool zu genießen wissen.

(Quelle: www.come-on.de/lennetal/werdohl/diplomat-aus-dem-mk-betritt-in-zentralamerika-neuland-90128901.html)

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