Studium Generale im Sommersemester
Auch im Sommersemester 2018 bietet die Philipps-Universität Marburg vom 11.4.18 – 4.7.18 die Vortragsreihe „Studium Generale“ an. Das Thema lautet diesmal: „Erziehung und Bildung als öffentliche Aufgaben“, vorbereitet vom FB Erziehungswissenschaften.
Die Fakultät bewirbt das Programm wie folgt:
Mit dem Thema „Öffentliche Erziehung und Bildung“ greift das Studium Generale eine ebenso wirkmächtige wie umstrittene Idee der europäischen Aufklärung auf. Als „Veranstaltungen des Staates“, wie es in einer Passage des Allgemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten heißt, etablierte sich öffentliche Erziehung – nicht nur in Deutschland – im Spannungsfeld widerstreitender Interessen. Zwischen den Polen von staatlicher Kontrolle und emanzipatorischem Aufklärungsideal, von gesellschaftlichem Integrationsanspruch und individueller Bildungsaspiration, blicken wir heute auf ein wohlfahrtsstaatlich organisiertes Erziehungs- und Bildungssystem, das sich „von der Wiege bis zur Bahre“ (Dahrendorf) zu einem ausdifferenzierten Berechtigungs- und Fürsorgesystem für nahezu alle Lebensphasen entwickelt hat.
Insofern öffentliche Bildung und Erziehung die Zugangsberechtigung zu sozial gültigem Wissen regulieren, die Vergabe karriererelevanter Bildungsabschlüsse kontrollieren und für die Zuweisung von Fürsorgeleistung verantwortlich sind, fungieren sie in zentraler Funktion als soziale Platzanweiserin. Öffentliche Bildung und Erziehung ermöglichen und behindern politische, ökonomische, soziale und kulturelle Teilhabe. Sie inkludieren und exkludieren und nehmen entscheidenden Einfluss auf die Karrierechancen und Lebens-bedingungen von Personen. Insofern sind öffentliche Bildung und Erziehung eng mit Fragen der Gerechtigkeit, aber auch mit Fragen der pädagogischen Qualität und Effektivität ihrer Angebote und institutionellen Rahmenbedingungen verbunden, die unter sich wandelnden demographischen, rechtlichen und politischen Kontexten immer wieder auf dem Prüfstand stehen und zum Gegenstand öffentlicher Kontroversen und Reformbemühungen werden.
Ausgehend von diesem Problemhorizont sollen im Rahmen des Studium Generale einerseits die aktuellen Herausforderungen öffentlicher Bildung und Erziehung diskutiert werden, andererseits soll es in historisch-systematischer Perspektive darum gehen, sich der Genese und Geltung des modernen Konzepts „öffentlicher Bildung und Erziehung“ zu vergewissern und ihren Strukturwandel an ausgewählten Etappen ihrer Geschichte in den Blick zu nehmen.“
Termine:
Die Veranstaltungen finden vom 11.4. – 4.7. jeweils mittwochs um 20.15 Uhr im Audimax statt.
Die Veranstaltungen in der Übersicht
11.4.
Öffentliche Bildung und Erziehung. Zur Genese und Geldtung eines modernen Konzepts.
Prof. Dr. Jürgen Ölkers
18.4.
Autorität – Zur Analyse eines ambivalenten Phänomens.
Prof. Dr. Roland Reichenbach
25.4.
Armut grenzt aus – Armut ist aber kein Schicksal.
Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster
2.5.
Hannah Arendt: Erziehung zwischen öffentlicher und privater Sphäre.
Prof. Dr. Frank-Olaf Radtke
9.5.
Ökonomisierung der Universität? Bildung als staatliche, private und öffentliche Aufgabe
Prof. Dr. Andrea Liesner
16.5.
Öffentliche Bildung zwischen Inklusion und Exklusion.
Prof. Dr. Vera Moser
23.5.
Religiöse Positionierungen – Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Herausforderungen in der Migrationsgesellschaft.
Prof. Dr. Isabell Dehm
30.5.
Lebenslanges Lernen als gesellschaftliche Norm und öffentliche Gestaltungsaufgabe.
Prof. Dr. Wolfgang Seitter
6.6.
(Medien-)Bildung im digitalen zeitalter: Chancen und Herausforderungen.
Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing
13.6.
Inklusion als Herausforderung für Jugendhilfe – auch ohne SGB VIII-Reform.
Prof. Dr. Karin Böllert
20.6.
Der Herkunft begegnen – Habitus-Struktur-Reflexivität im Studium.
Prof. Dr. Lars Schmitt
27.6.
Kann Bewegung Bildung sein? Körperlichkeit als kulturelle Herausforderung.
Prof. Dr. Elk Franke
30.5.
Migration, Flucht und öffentliche rziehung: Ermöglichung von Teilhabechancen?.
Prof. Dr. Ulrike Hormel
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